Wien - Fernseh-Projekte mit Bürgerbeteiligung, so genannte "Offene Kanäle",
gibt es bereits in vielen Ländern. Auch in Wien wird derzeit - wenn auch nicht
ohne Reibereien - an einem Konzept gebastelt. Was wie so oft fehlt, ist die
Finanzierung: Diese stand im Mittelpunkt einer vom Arbeitskreis Offene Kanäle
veranstalteten Podiumsdiskussion mit Vertretern der vier Parlamentsparteien und
Medienexperten. Der Vertreter des Arbeitskreises, Johannes Schütz, betonte die
wichtige Rolle für die Vermittlung von Medienkompetenz von offenen Kanälen.
Finanzierung durch Kulturschilling
ÖVP-Abgeordneter Ferry Maier sah den Ball bei den Ländern und Kommunen.
Er schlug vor, den so genannten Kulturschilling, der mit der ORF-Gebühr
eingehoben und von den Ländern verwaltet werde, für die Finanzierung vorzusehen.
Die gesetzlichen Grundlagen seien geschaffen worden, betonte Maier: "Das
Kabelfernsehgesetz 2001 sieht die Möglichkeit des offenen Kanals vor."
Hinsichtlich einer terrestrischen Frequenz verwies er auf die Einführung des
digitalen Rundfunks: "Wenn die Digitalisierung kommt, ist das die offene Chance
für offene Kanäle."
Minderheiten profitieren
Auch SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos sah
Finanzierungsmöglichkeiten über einen Teil der mit der ORF-Gebühr eingehobenen
Mittel. "Zwei Prozent für offene Kanäle sind für uns denkbar." Die öffentliche
Hand müsse jedenfalls bereit sein, den Bestand von solchen Projekten zu
gewährleisten. Die Verfügbarkeit von solchen Medienprojekten sei zudem ein
wichtiger Impuls für Minderheiten, sagte Darabos, der selbst burgenländischer
Kroate ist. Diesen sei es "nur dann möglich, den Bestand zu sichern, wenn sie
Zugang zu Medien haben".
"Normale Menschen" auf den Bildschirm bringen
Skeptisch blieb der Mediensprecher der FPÖ,
Hans Kronberger: Er sei ebenfalls der Meinung, die freien Kanäle müssten
regional finanziert werden, sehe aber die Gefahr einer "Clique", die über
Mittelverteilung zu bestimmen habe und "ihre Klüngel bedienen muss". Die
Möglichkeit, eigene Sendungen zu gestalten, sei für die Bürger sicher eine
Bereicherung, sagte Kronberger: Der "normale Mensch" komme im Fernsehen ja gar
nicht mehr vor, "außer wenn er irgendeinen geistigen oder körperlichen Mangel
hat".
Schütz betonte die Wichtigkeit für "Communities", wie etwa für
Zuwanderergruppen. Dies zeige sich am Beispiel Berlins, wo etwa 40 Prozent der
Sendungen nicht mehr in deutsch produziert würden. An offenen Kanälen könne sich
jeder beteiligen, die entsprechende Ausrüstung und technische Anweisungen würden
den Interessierten zur Verfügung gestellt.
Unabhängige Informationsquellen
Medienjournalist Manfred Schmid von der
"Wiener Zeitung" hofft auf eine weitere Quelle im Journalismus, ähnlich den
"Warblogs", jenen Internettagebüchern, die während des Irakkriegs für
Zusatzinformationen durch direkt Beteiligte gesorgt hatten. Eine Einführung von
offenen Kanälen könne durchaus erfolgreich sein, so Schmid: "Ich glaube, dass
durch die Erfahrung mit Privatfernsehen eine große Sehnsucht entstehen wird."
Artikel vom 24.06.2003 |apa |stp