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"Offene Kanäle": Runder Tisch über dritte Fernseh-Säule
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| Projekt Bürgerfernsehen
Von Manfred A. Schmid In den 60er Jahren hatte Österreich auf dem Gebiet von Fernsehprojekten mit Bürgerbeteiligung eine Vorreiterrolle inne. In regionalen Videoprojekten wurden Ansätze erarbeitet, die für ähnliche Bemühungen in anderen europäischen Ländern als vorbildlich galten. Ab Ende der 80er Jahre wurde der Anschluss an die neuen technischen Möglichkeiten verpasst. Während es in Deutschland schon seit 1984 Bürger-TV gibt - derzeitiger Stand: 80 Offene Kanäle - beginnt man über eine Realisierung in Österreich erst jetzt praxisorientiert nachzudenken. Und das, obwohl die dabei vermittelte Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation geschätzt wird und auch demokratiepolitisch wichtig ist. Das Konzept eines Offenen Kanals in Wien etwa geriet in den Sog parteipolitischen
Hickhacks. Im Frühjahr 2002 wurde eine vom Wiener Rathaus im Konsens von
SPÖ und Grünen in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie inklusive Finanzierungsmodell
vorgelegt. Bis heute ist von offizieller Seite eine Reaktion darauf ausständig,
obwohl für die Umsetzung spätestens 2002 anvisiert worden war. Norbert Darabos, SP-Bundesgeschäftsführer, betonte die Wichtigkeit von Offenen Kanälen für Minderheiten. Für sie sei es unerlässlich, "Zugang zu den Medien zu haben". Bezüglich der Finanzierung verwies Darabos auf die öffentliche Hand, es könnten aber 2 Prozent der ORF-Gebühren zur Stützung Offener Kanäle verwendet werden. Was das Wiener Projekt betrifft, zeigte er sich zuversichtlich, dass es "in den nächsten Wochen hoffentlich finalisiert" werde. Johannes Schütz vom Arbeitskreis Offene Kanäle vertiefte Aspekt der Minderheiten und verwies auf die immer größere Zahl von Migranten. In Berlin etwa würden 40 Prozent der Sendungen nicht mehr in Deutsch produziert, sondern von und für Zuwanderer-"Communities" in ihren Sprachen. Auch der Mediensprecher der FPÖ, Hans Kronberger, der in den 60er Jahren
selbst einer der bereits erwähnten freien Videopioniere war, sieht in
der Möglichkeit, eigene Sendungen zu gestalten, "eine Bereicherung". Der
"normale Mensch" komme im Fernsehen ja gar nicht mehr vor, "außer wenn
er irgendeinen geistigen oder körperlichen Mangel hat". Die freien Kanäle
müssten regional finanziert werden. Dabei könnte jedoch die Gefahr bestehen,
dass eine "Clique" über Mittelverteilung bestimme und "ihre Klüngel bedienen"
müsse. Von journalistischer Seite wurde vom Medienredakteur der "Wiener Zeitung" die Hoffnung geäußert, dass die Offenen Kanäle zu einer weiteren, alternative Quelle der Information werden könnten. Ähnlich wie die "Warblogs", die Internettagebücher im jüngsten Irak-Krieg, könnten sie für Zusatzinformationen und Korrekturen durch direkt Beteiligte sorgen. Erschienen am: 25.06.2003 |
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