Katharsis und Komödie
Das Theater als Stätte der Aufarbeitung


In der Tradition des Aristoteles gilt Katharsis als die essentielle Funktion des Theaters. Die darunter verstandene Reinigung vor nachhaltigen Erschütterungen der Seele kommt dem aktuellen Begriff einer Traumatherapie nahe. Durch die kathartische Wirkung geschieht eine Reinigung von Angst und Schrecken. Die Nachwirkungen der nationalsozialistischen Epoche sind dabei bis heute als gesamtgesellschaftlicher Schock zu betrachten.

Das befreiende Lachen über die Fratze des Teufels steht dabei in einer alten Tradition. Es bewirkt Deckerinnerungen, die die Wogen beruhigen können, die durch die traumatisierenden Erschütterungen in der Seele ausgelöst wurden. Welche psychohygienische Bedeutung hat die Reinigung durch den Affekt des Lachens?


Zeit: Donnerstag, 27. März 2003, 18 - 22 Uhr
Ort: Schikaneder, Margaretenstraße 24, 1040 Wien
Der Eintritt ist frei.

Moderation: Cornelia Krauss

18.00 - 19.00 Uhr
Otwald John und Franz Richard Reiter
"Flüsterwitze und Spottgedichte unter dem Hakenkreuz" von Franz Danimann:
Lesung und Erläuterungen

19.15 - 20.15 Uhr
Johannes Schütz
Über die Macht des Lachens und die Spaßgesellschaft

Gregor-Alexander Schindelars
Diffuse Schauspielkunst: Distanz zum Sein

20.30 - 21.00
Leo Krischke
Im Gespräch mit Cornelia Krauss

21.00 - 22.00 Uhr Podiumsdiskussion
Weitere Mitwirkende:
Renate Pittroff
Petra Rathmanner
Clemens K. Stepina


Kurzbiographien

Otwald John
Schauspieler (u. a. "Komödianten", "Gruppe 80")

Cornelia Krauss
Dr. phil., geboren in Schwäbisch Gmünd. Lebte nach Studium und Promotion als Drama-
turgin, Journalistin, Übersetzerin und Librettistin in Wien, wo sie derzeit als Lehrbeauftragte am Institut für Theater-Film- und Medienwissenschaft tätig ist. Mehrere Aufsätze zu theater-und frauenspezifischen Themen. Seit kurzem ist sie in Stuttgart ansässig.

Leo Krischke
Mag. arte, geboren 1972 in Wien. Studium der Theater- und Musikwissenschaft, sowie der Musiktheaterregie. Seit 1995 enge Zusammenarbeit mit Hans Neuenfels als dessen Regiemitarbeiter (u.a. an der Wiener Volks- und Staatsoper, an der Deutschen Oper Berlin, bei den Salzburger Festspielen, Wiener Festwochen sowie an der Staatsoper und am Staatsschauspiel Stuttgart). Seit 1995 eigene Opern- und Schauspielinszenierungen in Wien, Antwerpen, Amsterdam und Glasgow. 1995-1997 Künstlerischer Leiter der Wiener Taschenoper. Seit 1999 Künstlerischer Leiter des ensemble adhoc. Im Wintersemester 2001/2002 Gastprofessur für Regie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Renate Pittroff
Dr. phil., Theatermacherin, Leiterin der Gruppe Meyerhold Unlimited, Hörspielregisseurin, Lektorin an der Universität Wien.

Petra Rathmanner
Mag. phil., Kulturjournalistin (u. a. Falter)

Franz Richard Reiter
Rundfunkjournalist, u. a. Herausgeber von Franz Danimann "Flüsterwitze und Spottgedichte unterm Hakenkreuz" (Wien: Ephelant, 2001)

Gregor-Alexander Schindelars
Mag. phil. Geboren 1971 in Wien. Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Diplomarbeit: "Kosmos Mensch und Kosmos Kommunikationswissenschaft: Die Grenzen kommunikationswissenschaftlichen Denkens im Versuch der Erklärung menschlicher Existenz. Dissertation zu "Subjektive versus objektive Erkenntnis: Ein Beitrag der Philosophie zum Thema Kommunikation und Wahrheit".
Schauspielausbildung, derzeit Ausbildung zum Psychotherapeuten und Praktikum in einer psychiatrischen Abteilung.

Johannes Schütz
Mag. phil., geboren 1961 in Wien. Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft.
Tätigkeit als Kulturjournalist. 1988 - 2002 Mitarbeiter und Lektor an der Universität Wien. Vermittlung von Recherchetechniken, Informationsbroking, Konzeption von wissenschaftlichen Veranstaltungen.
Seit 2000 Obmann des "Arbeitskreises Offene Kanäle Österreich" (www.offener-kanal.at). 2002 Herausgeber der "Studie zur Umsetzung eines Offenen Fernsehkanals" im Auftrag der Stadt Wien. Derzeit betraut mit Konzeption und Aufbau eines Fernsehcollege in der Medienakademie des polycollege Wien.

Clemens K. Stepina
Dr. phil., geb. 1967 in Wien, Lektor an der Universität Wien, Mitarbeiter am Institut für Gesellschafts- und Kulturphilosophie.
Seit 1998 Zusammenarbeit mit freien Gruppen innerhalb des Wiener Experimentaltheaters. 2001 Symposiumsleitung (gemeinsam mit Armin Anders) "Texte-Körper-Räume: Zum Experimentellen Theater in Wien" im Lalish-Theater.
2001/02 Kurs "Werkstätte Experimentalfilm" für den VWV/Kunstsektor
Buchpublikation u. a. "Handlung als das Prinzip der Moderne".


Den Schatten entdunkeln?
Symposion über Leni Riefenstahl und die Strategien im Umgang mit dem Nationalsozialismus.


Eine Veranstaltung im Rahmen der Produktion "marleni: Theater - Film - Dialog" des ensemble adhoc. In Kooperation mit schikaneder und Arbeitskreis Offene Kanäle Österreich.
Weitere Informationen auf der Projekthomepage: www.marleni.info