Johannes Schütz

Unsere Bytes sind nicht die gewöhnlichen Bytes
Über Alchemie im Zeitalter der neuen Medien

Zeit: 5. April 2003, 19 Uhr
Ort: Wiener Urania, Uraniastraße 1, A-1010 Wien
Der Eintritt ist frei

Die Digitalisierung von Information ist eine uralte Entdeckung. Ein binäres System ist grundlegend für die chinesische Philosophie. Das I Ging (Buch der Wandlungen) bietet die logische Konsequenz einer Weltformel. Mit 8 Trigrammen, die nach einem binären Code aufgebaut sind, gelingt die Quadratur des Kreises. Aus der Verbindung der Trigramme entstehen 64 Hexagramme, die analoge Situationen zum Ausdruck bringen. Das I Ging geht auf die Ursprünge der Dao-Philosophie zurück. Die binären Elemente werden mit yin (0) und yang (1) bezeichnet.

Das I Ging ist mindestens 3000 Jahre alt und zählt damit jedenfalls zu den ältesten überlieferten Büchern. Als Autoren des Kerntextes werden König Wen (etwa 1150 v. Chr.) und sein Sohn, der Herzog von Chou, angesehen. Die binären Zeichen reichen aber zurück auf noch ältere Traditionen. Die Wissenschaft Chinas ist eng verbunden mit dem I Ging. Von den europäischen Philosophen war es Leibniz, der sich mit dem I Ging beschäftigte und in Bezug zum binären Zahlensystem setzte, das er gebrauchte. Zahl und Zahlensystem hatten dabei für Leibniz nicht nur eine abstrakte Bedeutung, sondern wurden auch als Übersetzung analoger Begriffe verstanden.

Das I Ging sollte auch im Zusammenhang mit der Genforschung neue Beachtung finden. Denn es besteht eine erstaunliche Isomorphie zwischen dem Hexagrammsystem im "Buch der Wandlungen" und dem DNA-Code (Desoxyribonukleinacid), der aus 64 Nukleotidtripletts besteht. Das I Ging bietet somit die Formel einer holistischen Vernetzung im "global village".


Das Referat findet im Rahmen des 11. Symposion Kulturraum-Donau statt.

Das Thema des Symposions ist:
Moritz Schlick - Vom philosophischen Empirismus zu Sprachspielen im "Global Village".

Überblick über das gesamte Programm:

Freitag 4. April, 19:00
Friedrich Stadler (Wien)
Moritz Schlick - Zwischen Natur und Kultur

Samstag 5. April
18:00
Christoph Kletzer (Cambridge/Wien)
Signal und Rauschen
Moritz Schlick und die Metaphysik der Medienwelt

19:00
Johannes Schütz (Wien)
Unsere Bytes sind nicht die gewöhnlichen Bytes
Über Alchemie im Zeitalter der neuen Medien

20:00 Uhr
Massimo Ferrari (L'Aquila)
Der Philosoph und die Naturwissenschaften
Moritz Schlick als Interpret der Relativitätstheorie

Sonntag 6. April
18:00 Uhr
Renate Pittroff (München)
Kode und Redundanz
Kunst als gesellschaftliches Korrrekturzeichen

19:00 Uhr
Kurt Rudolf Fischer (Wien)
Moritz Schlick und die Folgen

20:00 Uhr
Michael Benedikt (Wien)
Schlicks Versuch einer Ethik

Schlussdiskussion


Eine Veranstaltung der Wiener Urania und der Gesellschaft für Masse und Macht-Forschung vom 4. bis 6. April 2003 (Uraniastraße 1, 1010 Wien).
Nähere Informationen auf der Homepage der Gesellschaft für Masse- und Machtforschung: http://www.gmmf.org

Wissenschaftliche Leitung des Symposions: John D. Pattillo-Hess und Mario R. Smole