Herausforderung Mediengesellschaft
 

 

Unser Umfeld wird zunehmend von den elektronischen Medien geprägt. Medienkompetenz ist damit zu einer Schlüsselqualifikation geworden, die es sehr früh in der Ausbildung zu fördern gilt.

 

Bekanntlich warnte der Medienökologe Neil Postman schon zu Beginn der achtziger Jahre, also noch vor der Einführung des Kabelfernsehens in Deutschland und Österreich, ausgehend von den amerikanischen Erfahrungen, vor den Auswirkungen der Neuen Medien, die nicht zuletzt völlig neue Entwicklungsstrukturen für Kinder und Jugendliche schaffen [1] . Eine defensive, medienfeindliche Haltung, die diesen Wandel bloß ablehnt, ist aber seit den neunziger Jahren nicht mehr zielführend, da der Einsatz der neuen Technologien in unserer Gesellschaft fraglos bereits etabliert ist. Jetzt geht es darum, die Veränderungen als eine Herausforderung anzunehmen und Strategien zu entwickeln, die sicherstellen, daß allen Bevölkerungsgruppen, und damit natürlich auch der nachwachsenden Generation, die nötigen Kenntnisse für das Leben in der Medien- und Informationsgesellschaft vermittelt werden.

 

Dies geschieht wirkungsvoll durch praktische Projektarbeiten, bei denen die Teilnehmer gemeinsam Videofilme herstellen. Dabei werden die nötigen Grundkenntnisse vermittelt, was auch medienpädagogische Zielsetzungen erfüllt: die Verfahren des Fernsehens sollen dadurch transparenter gemacht werden und so zur Emanzipation vom unreflektierten Fernsehkonsum beitragen.

 

Solche Arbeiten werden ja schon seit vielen Jahren realisiert und sind teilweise auch gut dokumentiert.  Insbesondere verweisen wir auf das Projekt einer Videoinitiative in der bekannten Bielefelder Laborschule Hartmut von Hentigs [2] . In den vergangenen Jahren beschäftigten sich allerdings vermehrt Studien, Tagungen und praktische Arbeiten mit dieser Aufgabenstellung: Vermittlung von Medienkompetenz in der  Mediengesellschaft [3] .  Bereits im Kindergarten versucht man zu  reagieren, wobei es dann vor allem darum geht, vorhandene Fernsehwirkungen aufzuarbeiten und zu bewältigen, denn die geschehen oft unkontrolliert und ohne nötige Begleitung im Elternhaus. Das führt oft zu Überforderung und Ängsten, mit denen man die Kinder nicht alleine lassen sollte. [4] .

 

In der Bundesrepublik Deutschland wird die Ausbildung von Medienkompetenz ganz bewußt durch den forcierten Ausbau der Offenen Kanäle vorangetrieben. Als Beispiel dafür sei auf eine Fachtagung verwiesen, die sich im November 1999 in Wittstock (Brandenburg) diesem Thema widmete: „Aktive Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen – Offene Kanäle als Partner“. Den Vortrag „Vermittlung von Medienkompetenz als gesellschaftspolitischer Auftrag“, den Bernd Schorb dort referierte, kann man auf der Website des Bundesverbandes Offener Kanäle nachlesen. (http://www.bok.de/referat2.html) [5] .

 

Projekte mit Kindern und Jugendlichen sind in den Offenen Kanälen Deutschlands längst zu einem beachteten Schwerpunkt geworden.  Man sucht diesbezüglich auch die Kooperation mit Schulen. Eine solche Zusammenarbeit begann 1991 im Saarland, wo man die ersten Versuche mittels wissenschaftlicher Begleitforschung dokumentieren ließ. [6] Die aktuellen Entwicklungen findet man auf der Website des Offenen Kanals Saarland (http://www.oksaar.de/frproj.htm). Der Offene Kanal in Gera (Thüringen) wiederum entwickelte ein spezielles Konzept für einen Offenen Kinderkanal [7] , der 1998 unter dem Namen Pixel-TV eröffnet wurde. Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren machen dort ihr eigenes Fernsehprogramm (http://www.ok-gera.de/site/pixel/pixel.html). Europareife im Medienbereich wird sich an solchen Arbeiten orientieren müssen.

 

Johannes Schütz

 


Text © Arbeitskreis Offene Kanäle Österreich 2001
Foto © Ronald Putzker 2002


[1] Neil Postman: Das Verschwinden der Kindheit. Frankfurt/Main: Fischer, 1982.

[2] Haufe, Ulrich; Orbke, Ellen; Seidenberg, Günter: Videoarbeit mit Kindern: Darstellung und Analyse  eines medienpädagogischen Projekts. Tübingen: Max Niemeyer, 1982.     

[3] Medienkompetenz: Grundlagen und pädagogisches Handeln. Hg. Fred Schell et. al.- München: KoPäd, 1999.

Schell, Fred: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen: Theorie und Praxis. - 3. Aufl. - München: KoPäd, 1999. (Erstauflage: Opladen 1989)

Neue Medien - Edutainment - Medienkompetenz: Deutschunterricht im Wandel. München: KoPäd, 1997.

Pöttinger, Ida: Lernziel Medienkompetenz: Theoretische Grundlagen und praktische Evaluation anhand eines Hörspielprojekts. München: Kopäd, 1997.

Medienkompetenz im Informationszeitalter. Erstellt im Auftr. der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. München: R. Fischer, 1996.

Teenie-Kino: Filmarbeit zwischen Kindheit und Jugend. Hg. Klaus-Ove Kahrmann et. al. Frankfurt/Main: Bundesverband Jugend und Film, 1993.

Zu den besonderen Bemühungen in Deutschland vgl. die Arbeit, die das Medienkompetenz-Netzwerk Nordrhein-Westfalen (mekonet) und das Europäische Zentrum für Medienkompetenz leistet. Im deutschen Bundesland Baden-Württemberg hat sich eine Expertengruppe Medienkompetenz konstituiert, die Studien unter dem Titel „Medienkompetenz in der Informationsgesellschaft: Perspektiven in Baden-Württemberg“ im April 2000 herausgab. Diese ist auch im Internet abrufbar: http://www.mfg.de (dort kann man in der Rubrik Publikationen die Schrift zum Download finden).

[4] Maier, Rebecca; Mikat, Claudia; Zeitter, Ernst: Medienerziehung in Kindergarten und Grundschule: 490 Anregungen für die praktische Arbeit. München: KoPäd, 1997.

Neuß, Norbert; Pohl, Mirko; Zipf, Jürgen: Erlebnisland Fernsehen: Medienerlebnisse im Kindergarten aufgreifen, gestalten, reflektieren. München: KoPäd, 1997. (Siehe auch unsere Rubrik Rezensionen, wo Helga Fürhapter das Buch „Erlebnisland Fernsehen“ bespricht).  

[5]   Weiters sei hingewiesen auf einen Aufsatz von Klaus Ludwig Helf: „Mit dem Bollerwagen auf dem Datenhighway: Medienkompetenz durch Offene Kanäle in der Informationsgesellschaft“, Handbuch Offener Kanäle, hg. Ulrich Kamp (Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 1997), S. 159 - 167.

[6] Projekt Offener Kanal in Schulen: Abschlußbericht des Ministeriums für Bildung und Sport und der Landesanstalt für das Rundfunkwesen Saarland. Saarbrücken: Logos, 1994.

1997 resümierten Mitarbeiter über ihre Erfahrungen. Eva-Maria Bitz und Herbert Stang: „Im Saarland ist alles O.K.!: Sechsjährige Erfahrung mit Offenem Kanal in Schulen“, Handbuch  Offener Kanäle, hg. Ulrich Kamp (Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, 1997), S. 128f.

[7]   Brandi, Bettina; Bischoff, Johann: Offener Kinderkanal Gera: Konzept für einen Kinderkanal im Offenen Kanal. München: KoPäd, 1997.